Delegationsreise der hessischen Ärztekammer nach Salerno vom 9.–11. Juni 2017 – Start eines fachlichen und kulturellen Erfahrungsaustauschs

Die ersten Kontakte zwischen der Landesärztekammer Hessen und der Ärztekammer von Salerno (L'Ordine die Medici e degli Odontoiatri della Provincia di Salerno = Ärzte- und Zahnärztekammer Salerno) reichen zwei Jahre zurück. Aus dem damaligen Besuch von Ärztekammervertretern aus Salerno in der Mainmetropole entwickelte sich ein regelmäßiger Kontakt, der in diesem Jahr zu der Einladung nach Salerno führte.

Aufbau eines Erfahrungsaustauschs

Ziel der Delegationsreise vom 9. bis 11. Juni 2017, an der neben dem Präsidenten der Landesärztekammer Hessen, Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, mit Dr. Edgar Pinkowski und Dr. Peter Zürner zwei weitere Präsidiumsmitglieder teilnahmen, war der Aufbau eines kontinuierlichen fachlichen und kulturellen Erfahrungsaustauschs. Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Unterzeichnung einer Vereinbarung über die gegenseitige Anerkennung der Fortbildungspunkte für die Landesärztekammer Hessen und die Ärzte- und Zahnärztekammer Salerno am 10. Juni in Salerno.

Perspektive für den ärztlichen Nachwuchs

Die Zukunft der jungen Generation liege in einem vereinten Europa, erklärte von Knoblauch zu Hatzbach. "Wir sind stolz, mit dieser Vereinbarung auf dem historischen Boden von Salerno die Grundlage für einen medizinisch-fachlichen und kulturellen Austausch von italienischen und deutschen Ärztinnen und Ärzten zu schaffen." Auch Dott. Giovanni D' Angelo, Präsident der Ärztekammer von Salerno, unterstrich die interkulturelle Bedeutung der Vereinbarung und die Perspektiven, die sie vor allem für den ärztlichen Nachwuchs beider Länder eröffne.

Vergleich zwischen verschiedenen Wirklichkeiten

Unter dem Titel "Confronto tra le diverse realtà" ("Vergleich zwischen den verschiedenen Wirklichkeiten") fand im Anschluss an die Unterzeichnung eine lebhafte Podiumsdiskussion mit den Präsidenten der beiden Ärztekammern, Dr. von Knoblauch zu Hatzbach und Dott. D'Angelo, dem Ehrenpräsidenten der Ärztekammer von Salerno, Dott. Bruno Ravera, Prof. Mario Capunzo, Direktor der Abteilung für Medizin und Chirurgie der Università degli Studi di Salerno, Avv. Nicola Cantone, Generaldirektor der Azienda Ospedaliera Universitaria und Dott. Antonio Giordano, Generaldirektor der Azienda Sanitaria Locale di Salerno, statt. Außerdem nahmen Prof. Volkmar Jacobi, Universität Frankfurt, Dr. Vincenzo Mancuso, Hanau, und Dr. Andreas Georg Illes, Frankfurt, an der Diskussionsveranstaltung teil, in deren Rahmen die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem italienischen Gesundheitssystem, sowie die universitäre Ausbildung beleuchtet und Perspektiven einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit in einem zusammenwachsenden Europa erörtert wurden.

Tradition geht auf Schule von Salerno zurück

Um sich vor Ort ein Bild von der stationären Krankenversorgung zu machen, besichtigten die Gäste aus Hessen am Nachmittag die kardiologische Abteilung des Universitätsklinikums von Salerno, die viele Jahre unter der Leitung von Dott. Ravera gestanden hatte. Die 1968 gegründete Universität Salerno (italienisch: Università degli Studi di Salerno, UNISA, lateinisch: Hippocratica Civitas Studium Salerni) zählt zu den jüngeren Universitäten Italiens. Mit der Fakultät für Medizin und Chirurgie geht ihre Tradition allerdings auf die Schule von Salerno (Schola Medica Salernitana) zurück, eine bedeutende mittelalterliche medizinische Lehr- und Forschungsanstalt.

Grenzüberschreitende Fortbildung

Für die Landesärztekammer Hessen ist die Vereinbarung mit Salerno bereits die zweite grenzüberschreitende Partnerschaft im Rahmen der ärztlichen Fortbildung: 2014 wurde mit der Ärztekammer von Südtirol eine Vereinbarung zur gegenseitigen Anerkennung von Fortbildungspunkten unterzeichnet. Außerdem veranstaltet die hessische Ärztekammer seit 2016 in Kooperation mit dem Verein Collegium Medicinae Italo-Germanicum e.V., der Bayerischen Ärztekammer, der Ärztekammer des Saarlandes, der Landesärztekammer Thüringen, der Landesärztekammer Baden-Württemberg, der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, der Akademie für ärztliche Fortbildung Rheinland-Pfalz und der Südtiroler Ärztekammer den jährlichen Fortbildungskongress im norditalienischen Grado. Der nächste Kongress in Grado findet vom 27. August bis 1. September 2017 statt.

Katja Möhrle