Arzneimittel und Medizinprodukte - Archiv 2015

Stellungnahme der AkdÄ zu Edoxaban (Lixiana®) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Wegen der vorhandenen Unsicherheit bezüglich der Übertragbarkeit der Daten auf deutsche Versorgungsverhältnisse ist aus Sicht der AkdÄ allenfalls ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen von Edoxaban bei NVAF vorhanden, dessen Ausmaß als gering beurteilt wird. Dies basiert auf einem geringeren Schadenspotenzial von Edoxaban vs. Warfarin.

Rote-Hand-Brief zu Tecfidera® (Dimethylfumarat): Neue Maßnahmen zur Senkung des Risikos einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) – vermehrte Überwachung und Absetzen der Therapie

Tecfidera® enthält Dimethylfumarat und ist zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose zugelassen.

Der Hersteller informiert in einem Rote-Hand-Brief über Maßnahmen zur Senkung des Risikos einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML).

Rote-Hand-Brief zu Fumaderm® initial / Fumaderm® (Fumarsäureester): Maßnahmen zur Senkung des Risikos einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML)

Fumaderm® enthält Dimethylfumarat in Kombination mit drei Salzen von Ethylhydrogenfumarat und ist zur Behandlung von mittelschweren bis schweren Formen der Psoriasis vulgaris zugelassen, sofern eine alleinige äußerliche Therapie nicht ausreichend ist. Als der eigentlich wirksame Bestandteil wird Dimethylfumarat angesehen. Eine vorhergehende Verträglichkeitsanpassung mit Fumaderm® initial ist erforderlich.

Stellungnahme der AkdÄ zu Nivolumab (Opdivo®) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Aus Sicht der AkdÄ besteht ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen für Nivolumab gegenüber Dacarbazin für nicht vorbehandelte Patienten, deren Tumor BRAF-V600-Mutation-negativ ist. Die Aussage dieser Nutzenbewertung wird dadurch eingeschränkt, dass Dacarbazin in dieser Fragestellung nicht als Therapie der Wahl anzusehen ist.
Die AkdÄ folgt somit bei Fragestellung 2 nur teilweise der Bewertung des IQWiG.

Rote-Hand-Brief zu Thalidomide Celgene™ 50 mg Hartkapseln (Thalidomid)

 

Die Initialdosis von Thalidomid bei Anwendung in Kombination mit Melphalan sollte bei Patienten über 75 Jahre reduziert werden

Thalidomid wird in Kombination mit Melphalan und Prednison angewendet für die Erstlinienbehandlung von Patienten mit unbehandeltem multiplen Myelom ab einem Alter von 65 Jahren bzw. Patienten, für die eine hochdosierte Chemotherapie nicht infrage kommt.

Rote-Hand-Brief zu CellCept® (Mycophenolatmofetil)

 

Schwerwiegendes Risiko für Teratogenität – wichtige neue Hinweise zur Schwangerschaftsverhütung für Frauen und Männer

Mycophenolatmofetil wird angewendet in Kombination mit Ciclosporin und Kortikosteroiden zur Prophylaxe von akuten Transplantatabstoßungsreaktionen bei Patienten mit allogener Nieren-, Herz- oder Lebertransplantation. Mycophenolatmofetil wirkt beim Menschen stark teratogen und erhöht bei Exposition in der Schwangerschaft das Risiko für Fehlgeburten und kongenitale Missbildungen.

Informationsbrief zu sicherheitsrelevanten Änderungen: Potenzierung von Strahlenschäden in Zusammenhang mit der Anwendung von Zelboraf® (Vemurafenib)

Vemurafenib ist als Monotherapie zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit BRAF-V600 Mutation-positivem nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom.

Rote-Hand-Brief zu Xalkori® (Crizotinib) 200 mg und 250 mg Hartkapseln zur oralen Anwendung: Neuer Warnhinweis zur Herzinsuffizienz

Der Proteinkinase-Inhibitor Crizotinib wird angewendet bei Erwachsenen zur Behandlung des vorbehandelten Anaplastische-Lymphom-Kinase(ALK)-positiven, fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms.

"Aus der UAW-Datenbank": Hirnblutung bei einem Säugling nach unzureichender Vitamin-K-Prophylaxe

Der AkdÄ wurde kürzlich der Fall eines sechs Wochen alten Jungen berichtet, der nach einer unzureichenden Vitamin-K-Prophylaxe eine schwere Hirnblutung erlitten hat.

"Aus der UAW-Datenbank": Leukenzephalopathie und Hirnödem unter Etanercept

Der Tumornekrosefaktor-Inhibitor Etanercept wird in verschiedenen klinischen Situationen angewandt zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis, der juvenilen idiopathischen Arthritis, der Psoriasis-Arthritis, der ankylosierenden Spondylitis, der nicht-röntgenologischen axialen Spondyloarthritis sowie bei Plaque-Psoriasis.

Stellungnahme der AkdÄ zu Afatinib (Ablauf Befristung) (Giotrif®) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Die AkdÄ folgt in zwei Subgruppen der NSCLC-Patienten (nicht vorbehandelt, ECOG-PS 0–1) nicht der Empfehlung des IQWiG bezüglich des Ausmaßes und der Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens von Afatinib und sieht

  • 1. für Patienten mit einer Del19-EGFR-Mutation einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen sowie
  • 2. für Patienten mit einer L858R-EGFR-Mutation einen Zusatznutzen als nicht belegt.

Wichtige Arzneimittelinformation zu Reminyl® (Galantaminhydrobromid): Schwerwiegende Hautreaktionen: Stevens‐Johnson‐Syndrom und akute generalisierte exanthemische Pustulose

Galantamin ist ein selektiver, kompetitiver und reversibler Inhibitor der Acetylcholinesterase. Zusätzlich verstärkt es die intrinsische Aktivität von Acetylcholin an nicotinergen Rezeptoren. Hierdurch kann bei Patienten mit Alzheimer Demenz eine gesteigerte Aktivität des cholinergen Systems mit einer Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten erzielt werden. Galantamin ist indiziert zur symptomatischen Behandlung leichter bis mittelschwerer Demenz vom Alzheimer Typ.

Rote-Hand-Brief zu Betmiga® (Mirabegron): neue Empfehlungen zum Risiko eines Blutdruckanstiegs

Betmiga® (Mirabegron) ist zugelassen zur symptomatischen Therapie von imperativem Harndrang, erhöhter Miktionsfrequenz und/oder Dranginkontinenz, die bei Erwachsenen mit überaktiver Blase (OAB, overactive bladder) auftreten können. Als neuer, in der EU zugelassener Wirkstoff unterliegt Mirabegron einer zusätzlichen Überwachung.

Gelenkbeschwerden im Zusammenhang mit Gliptinen

Dipeptidyl-Peptidase-4(DPP-4)-Inhibitoren (Gliptine) werden als Monotherapie oder in Kombination mit anderen Antidiabetika angewandt zur Behandlung Erwachsener mit Diabetes mellitus Typ 2, wenn Diät und Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren. In Deutschland sind derzeit Sitagliptin- und Saxagliptin-haltige Präparate auf dem Markt.

Lieferabriss des medizinisch unverzichtbaren Krebsmedikaments Alkeran®

Das Krebsmedikament Alkeran® (Wirkstoff: Melphalan), das vorwiegend in der Behandlung von bösartigen Bluterkrankungen zur Anwendung kommt, ist seit mehreren Wochen von einer Lieferunterbrechung betroffen. Melphalan wird vor allem in der Behandlung von Leukämien und Lymphomen zur Vorbereitung auf Stammzelltransplantationen eingesetzt.

Information des BfArM zu Olysio® (Simeprevir) in Kombination mit Sovaldi® (Sofosbuvir): Risiko von schweren Herzrhythmusstörungen bei gleichzeitiger Gabe von Amiodaron

Simeprevir und Sofosbuvir sind direkt antiviral wirksame Arzneimittel und jeweils zugelassen in Kombination mit anderen Arzneimitteln zur Behandlung der chronischen Hepatitis C bei Erwachsenen. Sofosbuvir hemmt die RNA-abhängige RNA-Polymerase NS5B des Hepatitis C Virus (HCV). Simeprevir ist ein spezifischer Inhibitor der HCV-NS3/4A-Serinprotease. Beide Schritte sind für die Virusreplikation erforderlich.

Rote-Hand-Brief zu InductOs® 1,5 mg Pulver, Lösungsmittel und Matrix für Matrix zur Implantation (Dibotermin alfa): Möglicher Arzneimittelengpass

Dibotermin alfa ist ein osteoinduktives Protein, das die Bildung von neuem Knochengewebe an der Implantationsstelle stimuliert. Es ist angezeigt zur Lendenwirbelkörperperfusion auf einer Ebene als Ersatz für eine autologe Knochentransplantation bei Erwachsenen mit degenerativen Bandscheibenerkrankungen, die eine mindestens sechsmonatige nichtoperative Behandlung hinter sich haben.

Stellungnahme der AkdÄ zu Fingolimod (Ablauf Befristung) (Gilenya®) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Die AkdÄ sieht einen Zusatznutzen von Fingolimod in den Patientenpopulationen B (hochaktive RRMS, keine vollständige Vorbehandlung mit IFN-ß) und C (rasch fortschreitende schwere RRMS), der jedoch unter Einbeziehung der Betrachtung der möglichen Risiken hinsichtlich seines Ausmaßes und seiner Wahrscheinlichkeit derzeit nicht näher definiert werden kann.

Rote-Hand-Brief zu Xgeva® 120 mg Injektionslösung (Denosumab): Risiko einer Kieferosteonekrose

Xgeva® 120 mg Injektionslösung (Denosumab) ist zugelassen zur Prävention von skelettbezogenen Komplikationen bei Erwachsenen mit Knochenmetastasen aufgrund solider Tumoren. Es ist darüber hinaus indiziert zur Behandlung von Erwachsenen und skelettal ausgereiften Jugendlichen mit Riesenzelltumoren des Knochens, die nicht resezierbar sind oder bei denen eine operative Resektion wahrscheinlich zu einer schweren Morbidität führt.

Rote-Hand-Brief zu Intrauterinpessaren (IUPs): Risiko einer Uterusperforation

Intrauterinpessare (IUPs – levonorgestrelhaltig oder kupferhaltig) werden zur intrauterinen Kontrazeption eingesetzt, wobei einige IUPs auch für andere gynäkologische Indikationen (Hypermenorrhoe, Notfallkontrazeption) zugelassen sind.

Informationsbrief zu SGLT-2-Inhibitoren: Risiko einer diabetischen Ketoazidose

GLT-2-Inhibitoren sind zugelassen zur Behandlung Erwachsener mit Diabetes mellitus Typ 2, wenn Diät und Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren können. Sie können in Mono- und Kombinationstherapie mit anderen Antidiabetika (einschließlich Insulin) angewendet werden. In Deutschland sind derzeit Dapagliflozin und Empagliflozin verfügbar. SGLT-2-Inhibitoren senken den Blutzuckerspiegel durch Hemmung des Natrium-Glukose-Cotransporters 2 (SGLT-2) in den proximalen Nierentubuli, der den Großteil der glomerulär filtrierten Glukose reabsorbiert.

Information des BfArM zu Saxagliptin: EMA untersucht Auffälligkeiten bei großer kardiovaskulärer Studie (SAVOR)

Der Dipeptidyl-Peptidase-4-(DPP-4)-Inhibitor Saxagliptin wird als Monotherapie oder in Kombination mit anderen Antidiabetika angewandt zur Behandlung Erwachsener mit Diabetes mellitus Typ 2, wenn Diät und Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren.

"Aus der UAW-Datenbank": Entwicklung einer gemischten Polyneuropathie unter Dronedaron (Multaq®)

Das Antiarrhythmikum Dronedaron ist strukturell eng mit Amiodaron verwandt, jedoch deutlich weniger wirksam. Aufgrund der fehlenden Jodsubstitution und der geringeren Lipophilie ist man bei Dronedaron von einem günstigeren Sicherheitsprofil ausgegangen als bei dem nebenwirkungsträchtigen Amiodaron. Sicherheitsprobleme von Dronedaron, die nach der Zulassung bekannt wurden (Leberschäden, Lungenschäden, kardiovaskuläre Risiken), haben bereits zu erheblichen Einschränkungen der Anwendung geführt.

Information des BfArM zu SGLT-2-Inhibitoren: Einleitung eines europäischen Bewertungsverfahrens zur Untersuchung diabetischer Ketoazidosen

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert über die Einleitung eines europäischen Bewertungsverfahrens zum Risiko diabetischer Ketoazidosen unter Therapie mit SGLT-2-Inhibitoren (1, 2). Anlass sind über 100 Berichte schwerwiegender Ketoazidosefälle in der europäischen Nebenwirkungsdatenbank EudraVigilance, von denen jedoch mehr als ein Drittel im Zusammenhang mit der Off-Label-Anwendung bei Typ-1-Diabetes aufgetreten ist (2). In der öffentlich zugänglichen Datenbank des BfArM finden sich aus Deutschland drei Fälle von Ketoazidose unter der Behandlung mit SGLT-2-Inhibitoren. Auch die US-amerikanische FDA hat kürzlich über Ketoazidosen im Zusammenhang mit SGLT-2-Inhibitoren informiert (3).

Information des Paul-Ehrlich-Instituts zu Fällen von Darminvagination nach Impfung gegen Rotavirus-Gastroenteritis

Die Rotavirus-Impfung ist eine Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff und wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) seit 2013 für alle Säuglinge unter sechs Monaten empfohlen. Je nach verwendetem Impfstoff (Rotarix®, RotaTeq®) kommen unterschiedliche Impfschemata zum Einsatz (siehe Fachinformation).

Stellungnahme der AkdÄ zu Enzalutamid (neues Anwendungsgebiet) (Xtandi™) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Die AkdÄ sieht grundsätzlich einen Hinweis für einen beträchtlichen Zusatznutzen von Enzalutamid. Aufgrund der heute zur Verfügung stehenden neuen medikamentösen Therapieoptionen zur Behandlung des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) muss jedoch der aktuelle therapeutische Stellenwert von Enzalutamid rasch in vergleichenden Studien – mit den derzeit hierfür geeigneten medikamentösen Therapiealternativen als aktiven Komparatoren – untersucht werden.

Rote-Hand-Brief zu Harvoni® (Sofosbuvir + Ledipasvir), Sovaldi® (Sofosbuvir) und Daklinza® (Daclatasvir): Risiko von klinisch signifikanten Herzrhythmusstörungen bei gleichzeitiger Therapie mit Amiodaron

Das Kombinationspräparat Harvoni® (Sofosbuvir + Ledipasvir) und die Monopräparate Sovaldi® (Sofosbuvir) und Daklinza® (Daclatasvir) sind indiziert zur Behandlung Erwachsener mit chronischer Hepatitis C, wobei die Monopräparate jeweils nur in Kombination mit anderen Arzneimitteln zugelassen sind. Sofosbuvir wirkt antiviral durch Hemmung der RNA-Polymerase NS5B, die für die Replikation des Hepatitis-C-Virus (HCV) erforderlich ist. Ledipasvir und Daclatasvir wirken hemmend auf das HCV-NS5A-Protein, das sowohl für die RNA-Replikation als auch für den Zusammenbau von HCV-Virionen benötigt wird. Ledipasvir ist in Deutschland nur in fixer Kombination mit Sofosbuvir verfügbar.

Rote-Hand-Brief zu Gilenya® (Fingolimod): erster Bericht einer PML bei einem MS-Patienten ohne vorherige Behandlung mit immunsuppressiven Arzneimitteln

Gilenya® (Fingolimod) ist als krankheitsmodifizierende Monotherapie zugelassen zur Behandlung von hochaktiver schubförmig-remittierend verlaufender Multipler Sklerose bei erwachsenen Patienten, die eine hohe Krankheitsaktivität trotz Behandlung mit mindestens einer krankheitsmodifizierenden Therapie zeigen oder die einen rasch fortschreitenden, schweren Verlauf haben.

Rote-Hand-Brief zu Imnovid® (Pomalidomid): neue Sicherheitshinweise zur Minimierung des Risikos einer schwerwiegenden Hepatotoxizität, interstitiellen Lungenerkrankung und Herzinsuffizienz

Imnovid® (Pomalidomid) ist in Kombination mit Dexamethason zugelassen zur Behandlung des rezidivierten und refraktären multiplen Myeloms bei erwachsenen Patienten, die mindestens zwei vorausgegangene Therapien, darunter Lenalidomid und Bortezomib, erhalten und unter der letzten Therapie eine Progression gezeigt haben.

Information des BfArM zu Codein-haltigen Arzneimitteln: Anwendungsbeschränkungen bei Kindern und Jugendlichen mit Husten – Empfehlung des europäischen Ausschusses für Risikobewertung (PRAC) bestätigt

Codein ist ein Opioid, das als verschreibungspflichtiges Hustenmittel zur Anwendung bei Erwachsenen und Kindern zugelassen ist. Die Wirkung von Codein beruht auf seiner Umwandlung zu Morphin im Körper des Patienten durch das Enzym CYP2D6.

QT-Verlängerung unter Galantamin

Galantamin ist zugelassen zur symptomatischen Behandlung Erwachsener mit leichter bis mittelschwerer Demenz vom Alzheimer-Typ. Durch Hemmung der Acetylcholinesterase sowie durch Verstärkung der intrinsischen Aktivität von Acetylcholin an nicotinergen Rezeptoren führt Galantamin bei Patienten mit Alzheimer-Demenz zu einer gesteigerten Aktivität des cholinergen Systems und zu einer Verbesserung kognitiver Fähigkeiten.

Rote-Hand-Brief zu Atarax® und AH 3® N (Hydroxyzin): Anwendungseinschränkungen zur Minimierung des Risikos einer QT-Zeit-Verlängerung

Hydroxyzin ist ein Piperazinderivat, das zur Gruppe der Histamin-H1-Rezeptorantagonisten gehört. Je nach Präparat ist es unter bestimmten Bedingungen zugelassen zur symptomatischen Behandlung von Angst-, Spannungs- und Unruhezuständen, bei Ein- und Durchschlafstörungen, zur symptomatischen Behandlung von Juckreiz bei Urtikaria und Neurodermitis sowie zur Prämedikation vor chirurgischen Eingriffen.

Review der EMA bestätigt geringe Erhöhung des kardiovaskulären Risikos bei hohen Dosierungen von Ibuprofen (2400 mg pro Tag oder mehr)

Das nichtsteroidale Antirheumatikum Ibuprofen ist zugelassen zur symptomatischen Behandlung von Schmerz und Entzündungen unterschiedlicher Genese. Dexibuprofen ist das pharmakologisch wirksame Enantiomer des als Racemat vorliegenden Ibuprofens – die folgenden Ausführungen gelten deshalb für beide Wirkstoffe gleichermaßen.

Information des BfArM zu Dimethylfumarat-haltigen Arzneimitteln (Tecfidera®, Fumaderm®) und Progressiver multifokaler Leukencephalopathie (PML)

Fumaderm® enthält Dimethylfumarat in Kombination mit drei Salzen von Ethylhydrogenfumarat und ist in Deutschland seit den 1990er Jahren zugelassen zur Behandlung von mittelschweren bis schweren Formen der Psoriasis vulgaris. Als der eigentlich wirksame Bestandteil wird Dimethylfumarat angesehen. Seit 2014 ist Dimethylfumarat als Monopräparat unter dem Namen Tecfidera® auch zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose zugelassen.

Stellungnahme der AkdÄ zu Ledipasvir/Sofosbuvir (Harvoni®) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Die AkdÄ stuft im Gegensatz zum IQWiG für die Fixkombination Ledipasvir/Sofosbuvir bei den Fragestellungen 1a (Genotyp (GT) 1, therapienaiv ohne Zirrhose) und 1c (GT 1, therapieerfahren) Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens höher ein (jeweils Hinweis für einen beträchtlichen Zusatznutzen).

Information des BfArM zu Metformin: Aktualisierung der Fach- und Gebrauchsinformation hinsichtlich der Kontraindikation bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

Metformin ist zugelassen zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ II bei Erwachsenen und Kindern ab 10 Jahren. Es ist als Monopräparat sowie in Kombination mit anderen oralen Antidiabetika verfügbar. Laktatazidose ist eine sehr seltene, jedoch schwerwiegende metabolische Komplikation (hohe Mortalitätsrate ohne schnelle Behandlung), die durch Akkumulation von Metformin verursacht werden kann. Die bisher bekannt gewordenen Fälle von Laktatazidose bei mit Metformin behandelten Patienten betrafen vor allem Diabetiker mit Niereninsuffizienz oder sich akut verschlechternder Nierenfunktion.

Information des BfArM: Herzrhythmusstörungen als mögliche Wechselwirkung bei gleichzeitiger Anwendung von Sofosbuvir-Kombinationen zur Hepatitis-C-Behandlung und anderen Arzneimitteln, die Bradykardie verursachen können

Sofosbuvir ist ein direkt wirksames antivirales Arzneimittel und zugelassen in Kombination mit anderen Arzneimitteln zur Behandlung Erwachsener mit chronischer Hepatitis C. Es entfaltet seine antivirale Wirksamkeit durch Hemmung der RNA-Polymerase NS5B, die für die Replikation des Hepatitis-C-Virus erforderlich ist. Sofosbuvir ist als Monopräparat sowie in fixer Kombination mit Ledipasvir verfügbar.

"Bulletin zur Arzneimittelsicherheit" – erste Ausgabe 2015 erschienen

Das Bulletin zur Arzneimittelsicherheit wird von dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gemeinsam herausgegeben. Mit dem vierteljährlich erscheinenden Bulletin informieren beide Bundesinstitute zu aktuellen Aspekten der Risikobewertung von Arzneimitteln. Im Mittelpunkt steht hierbei die Pharmakovigilanz – die kontinuierliche Überwachung und Bewertung der Arzneimittelsicherheit vor und nach der Zulassung. Das Bulletin enthält sowohl Beiträge zu einzelnen Arzneimitteln als auch Hintergrundinformationen zum Verständnis der Pharmakovigilanz und zur Forschung in diesem Bereich.

Information der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) zu Champix® (Vareniclin): Interaktionsrisiko mit Alkohol, Risiko von Krampfanfällen und Studien zu psychiatrischen Nebenwirkungen

 

Nephrotoxizität, QTc-Verlängerung, Reproduktionstoxizität und Verwendung außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete

Vareniclin ist zugelassen zur Raucherentwöhnung bei Erwachsenen. Es bindet an neuronale α4β2-nikotinerge Acetylcholinrezeptoren. Als partieller Agonist entfaltet es sowohl agonistische (mit geringerer intrinsischer Wirkung als Nikotin) als auch – in Gegenwart von Nikotin – antagonistische Wirkungen. Durch Aktivierung dieser Rezeptoren wird das mesolimbische Dopaminsystems stimuliert. Diese Stimulierung führt zu dem beim Rauchen verspürten Verstärkungs- und Belohnungseffekt.

Rote-Hand-Brief zu Ketoconazole HRA® (Ketoconazol): Risiko von Hepatotoxizität

 

Nephrotoxizität, QTc-Verlängerung, Reproduktionstoxizität und Verwendung außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete

Ketoconazol in oraler Form ist aufgrund seiner Eigenschaft als Hemmer der Cytochrom-P450-Enzyme in der Nebenniere ein starker Hemmer der Cortisolsynthese. Ferner hat Ketoconazol direkte Auswirkungen auf kortikotrope Tumorzellen bei Patienten mit Cushing-Syndrom. Es ist zugelassen zur Behandlung des endogenen Cushing-Syndroms bei Erwachsenen und Jugendlichen über zwölf Jahren. Aufgrund des Risikos von Hepatotoxizität wurde im Oktober 2013 die Marktzulassung für orales Ketoconazol als Antimykotikum suspendiert. Hepatotoxizität unter oraler Behandlung mit Ketoconazol wird gewöhnlich bei Behandlungsbeginn und während der ersten sechs Monate beobachtet.

Information des BfArM zu Neulasta® (Pegfilgrastim): Möglicherweise Fälschungen im Verkehr

Pegfilgrastim ist ein humaner Granulozyten-koloniestimulierender Faktor (G-CSF), der die Entstehung neutrophiler Granulozyten und deren Freisetzung aus dem Knochenmark reguliert. Pegfilgrastim wird angewendet zur Verkürzung der Dauer von Neutropenien sowie zur Verminderung der Häufigkeit neutropenischen Fiebers bei erwachsenen Patienten, die wegen einer malignen Erkrankung mit zytotoxischer Chemotherapie behandelt werden.

Stellungnahme der AkdÄ zu Lurasidon (Latuda®) – frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

In der Gesamtschau lässt sich aus Sicht der AkdÄ für Lurasidon kein Zusatznutzen in der Akuttherapie sowie in der Rückfallprophylaxe der Schizophrenie ableiten.

Stellungnahme der AkdÄ zu Idelalisib (Zydelig®) - Frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Die AkdÄ sieht für die Fragestellung 2 der Indikation CLL (therapienaive Patienten mit CLL und einer 17p-Deletion oder einer TP53-Mutation) einen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen, der allerdings aufgrund der vorliegenden Ergebnisse zum jetzigen Zeitpunkt nicht quantifizierbar ist. Für die Indikation FL kann bei fehlender Evidenz kein Zusatznutzen belegt werden. Die AkdÄ empfiehlt, den Beschluss des G-BA zu befristen. Aus Sicht der AkdÄ ist es darüber hinaus erforderlich, ein Register einzurichten, in dem alle Ergebnisse zum Ansprechen auf die Therapie mit Idelalisib und die Nebenwirkungen gesammelt werden.

Informationen aus BfArm und PEI: Sicherheit von Impfungen während der Schwangerschaft

Der Sicherheit von Impfungen während der Schwangerschaft widmet sich ein Artikel in Ausgabe 4/2014 des vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gemeinsam herausgegebenen Bulletins zur Arzneimittelsicherheit.

Rote-Hand-Brief zu Vibativ® (Telavancin): Anwendungsempfehlungen und bedeutende Risiken

 

Nephrotoxizität, QTc-Verlängerung, Reproduktionstoxizität und Verwendung außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete

Telavancin ist ein Glycopeptid-Antibiotikum mit bakterizider Wirkung auf empfindliche grampositive Bakterien. Es ist zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit nosokomialer Pneumonie einschließlich beatmungsassoziierter Pneumonie, die bekanntlich oder vermutlich durch Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) verursacht wird. Telavancin ist nur anzuwenden, wenn bekannt ist oder vermutet wird, dass andere Alternativen nicht angemessen sind. Zur Behandlung von nicht zugelassenen Indikationen, wie z. B. komplizierten Haut- und Weichgewebeinfektionen (das Nutzen-Risiko-Verhältnis wurde hierfür negativ bewertet), soll Telavancin nicht angewendet werden.

Stellungnahme der AkdÄ zu Apixaban (neues Anwendungsgebiet) (Eliquis®) - Frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Für Fragestellung 1 (Initial-Behandlung von TVT und LE und parallel einzuleitende Prophylaxe) ergibt sich als zusammenfassende Bewertung für die AkdÄ

  • bei einem BMI ≤ 28 kg/m2 ein fehlender Zusatznutzen
  • sowie abweichend zur Bewertung des IQWiG bei einem BMI > 28 kg/m2 ein Hinweis für einen geringen Zusatznutzen.

Stellungnahme der AkdÄ zu Daclatasvir (Daklinza®) - Frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Die Therapie mit Daclatasvir könnte bei einem relevanten Teil der Patienten, für die es bisher keine erfolgversprechende Therapieoption gibt, zur Ausheilung der chronischen Virusinfektion (SVR) und damit zur langfristigen Freiheit von Folgen und Symptomen einer weiterbestehenden chronischen Hepatitis C und Risikoreduktion für Tod durch Leberversagen bzw. für die Notwendigkeit der Lebertransplantation führen.

Stellungnahme der AkdÄ zu Nalmefen (Selincro®) - Frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Die AkdÄ schließt sich der Bewertung des IQWiG an, dass ein Zusatznutzen von Nalmefen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt ist.

Rote Hand-Brief zu Rapiscan® (Regadenoson) – Wichtige neue Hinweise zur Minimierung des Risikos eines Schlaganfalls und einer Verlängerung von Rapiscan-bedingten Anfällen nach der Anwendung von Aminophyllin

Rapiscan® ist ein selektiver koronarer Vasodilatator und darf nur zu diagnostischen Zwecken angewendet werden. Es wird als pharmakologischer Stressauslöser für Myokardperfusionsaufnahmen (myocardial perfusion imaging, MPI) mit Radionukliden bei erwachsenen, nicht ausreichend körperlich belastbaren Patienten eingesetzt.

Stellungnahme der AkdÄ zu Empagliflozin (Jardiance®) - Frühe Nutzenbewertung § 35a SGB V

Auf der Basis der vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Studiendaten stimmt die AkdÄ im Ergebnis dem IQWiG in der Bewertung des Zusatznutzens von Empagliflozin bei Fragestellung B1 (Empagliflozin + Metformin) zu: Zusatznutzen nicht belegt.